Jugend debattiert

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Video: "Die Macht der Worte"

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Andrej Kiska, Präsident der Slowakischen Republik und Schirmherr des XII. Internationalen Finales, hat in seinem Grußwort einen Appell an die Debattantinnen und Debattanten sowie das Publikum gerichtet: ihre Worte und die der Anderen gut abzuwägen. Die ganze Rede haben wir hier.

"Guten Tag. Ich spreche nur ein bisschen Deutsch. I could easily switch to English. But in the end I was asked to speak in my native language, in Slovak, also wünsche ich einen guten Tag.

Sehr geehrter Herr Botschafter, liebe Gäste und vor allem liebe Schüler. Es ist für mich eine große Ehre, dass ich heute bei Ihnen sein darf. Dies hat zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass sich hier junge Menschen treffen. Ihr seid hier zusammengekommen, um zu debattierten, ihr wollt überzeugen und die Kraft eurer Argumente nutzen. Was aber am wichtigsten ist, ihr wollt etwas für eure persönliche Entwicklung tun. Wie schon erwähnt, geht es in einer Debatte viel um Argumente, aber es geht auch darum zuzuhören. Zuzuhören, was uns der Andere sagen will und oft vielleicht auch, warum er das sagt. Aus euch jungen Menschen werden bald diejenigen, die an der Spitze unserer Länder stehen werden. In zehn, in 20 Jahren werdet ihr Lehrer sein, Schulleiter, Manager, vielleicht auch Politiker. Vielleicht sitzt hier sogar der zukünftige Präsident eines der Länder, die ihr repräsentiert. Ihr seid diejenigen, die unsere Länder steuern werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir mit euch unsere Kenntnisse und Erfahrungen teilen. Alles, von dem wir glauben, dass ihr es wissen sollt, wollen wir an euch weitergeben. Deshalb bin ich heute sehr gerne hierhergekommen.

Der zweite Grund, warum ich hierher mit solcher Freude gekommen bin, ist, dass es bei diesem Treffen um das Debattieren geht, um die Kraft der Argumente, um die Macht der Worte ganz allgemein. Wir vergessen oft, was für eine starke Waffe Worte sein können. Das Wort, das Wort allein stand am Anfang von vielen großen Tragödien der Menschheit. Ein Wort des Hasses gegen Menschen anderer Religionen gerichtet, gegen Menschen mit anderer Hautfarbe, gegen Menschen aus einem anderen Land, gegen bestimmte Gruppen. Am Anfang steht das Wort und dieses Wort, wenn es sich verbreitet, wenn es nicht gestoppt wird, kann fatale Folgen haben. Deshalb ist es so wichtig, richtig diskutieren zu lernen und die Argumente von denen zu widerlegen, die das Wort missbrauchen wollen, die mit Worten unglaublich verletzen können.

Vielleicht kennt ihr einige Beispiele und ich möchte euch jetzt gar nicht weit in die Vergangenheit zurückführen. Auch hier in der Gegenwart kann man das Wort missbrauchen, hier in dieser Welt, in dieser Zeit.

In jedem einzelnen von uns, die wir hier sitzen, auch in mir, steckt ein kleiner Engel, aber auch ein kleiner Teufel und es hängt sehr davon ab, was wir in einem Menschen hervorbringen, was wir einem Menschen sagen und welcher Teil sich in ihm öffnet und wie sich dieser Mensch uns gegenüber verhält.

Vielleicht erinnert ihr euch an die Bilder von amerikanischen Soldaten, die Gefangene bewachten. Ich glaube in Afghanistan oder dem Irak. So genau erinnere mich jetzt nicht mehr. Die Soldaten haben die Gefangenen erniedrigt und sich dann mit ihnen fotografieren lassen.

Vielleicht habt ihr von dem Experiment gelesen, bei dem eine Gruppe von Studenten aufgeteilt wurde in jeweils zehn Häftlinge und zehn Gefängniswächter. Was hatte dies für Folgen, was konnte dieses Experiment mit jungen modernen Menschen anrichten. Und um zu einem aktuellen und tragischen Beispiel zu kommen, was Worte anrichten können, erinnern wir uns an den Brexit.

Während des Brexits wurden in Großbritannien viele beleidigende Worte benutzt. Worte über den polnischen Pöbel, über Menschen aus diesem Teil Europas, die Engländer um ihre Arbeit bringen. Was für einen Effekt hatte dies? Es hatte jenen Effekt, dass junge Menschen, teilweise angetrunken, durch die Straßen zogen und zwei andere junge Menschen, die polnisch sprachen, angriffen und einen von ihnen töteten. Sie haben ihn getötet, weil die Worte aus dem Mund der Politiker, diese Worte voller Hass, den Teufel in ihnen geweckt haben und sie nun im Stande waren, Menschen zu töten. 

Die größten Tragödien der Menschheit, nehmen wir den Zweiten Weltkrieg, den Faschismus, sie alle begannen mit dem Wort. Deshalb ist es so wichtig zu diskutieren sich zu wehren und mit Worten das verteidigen zu können, wofür wir stehen.

Heute hören wir viele Diskussionen über Migranten. Es gibt eine Gruppe, die sagt: „Wir müssen uns vor ihnen fürchten.“ Sie schüren Angst. Populisten arbeiten oft mit Angst. Tatsächliche Leader aber, echte Persönlichkeiten, arbeiten mit einer Vision.

„Wir lassen keinen Migranten zu uns, alle sollen nach Hause.“ Ist dies die Rhetorik von modernen Ländern? Wir brauchen Selbstbewusstsein, wir sollen in allen Diskussionen selbstbewusst sagen, dass jedes moderne Land eine moralische Pflicht hat, den Menschen, die vor Gewalt und Tod fliehen, zu helfen. Das alles bringt die Kraft der Worte.

Ich möchte euch wünschen, dass ihr hier in dieser Debatte starke Worte findet. Hier treffen sich die Besten der Besten - 2500 Schüler, 150 Schulen, 12 Länder. Diese Besten werden hier in einer Weile miteinander diskutieren. Ich wünsche euch allen, dass ihr viel diskutiert, damit ihr wirklich lernt, eure Worte gut abzuwägen. Wir brauchen Euch sehr  - euch junge Menschen. Wir müssen die Stimme jedes einzelnen von euch in der Diskussion hören.

Die Welt ist heute nicht einfach. Der Populismus nimmt zu und dies nicht nur hier in den Ländern der Visegrád-Gruppe. Dies beobachten wir auch in Deutschland, Spanien, Italien, überallwächst der Populismus. Jedem von Ihnen, jedem von uns, jedem, dem das wunderbare, moderne, gemeinsame Europa am Herzen liegt, jedem sollte es eine Pflicht sein, seine Stimme in der Debatten zu nutzen.

Also, ich drücke euch die Daumen, mögen die Besten gewinnen und wünsche eine gelungene Veranstaltung.

Vielen Dank."

 

Andrej Kiska, Präsident der Slowakischen Republik und Schirmherr des XII. Internationalen Finales: Grußwort anlässlich des XII. Internationalen Finales, 20. September 2018 in Bratislava.

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