Jugend debattiert

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Der Schlüssel zu guter Kommunikation liegt im Zuhören

Erstellt von Judith Müller |   Allgemeines

Yana Bits hat es vorgemacht - als erste Ukrainerin hat die 16-jährige Schülerin aus Iwano-Frankiwsk letztes Jahr das XI. Internationale Finale von Jugend debattiert international der bis dahin zehn Teilnehmerländer mit Bravour gewonnen. Wer könnte besser nachfühlen, wie es den diesjährigen 16 Debattantinnen und Debattanten ging, die sich an diesem Wochenende der Landesqualifikation in Kiew gestellt haben. Noch vergangenes Jahr auf dem Siegertreppchen, stand die amtierende Debattiermeisterin diesmal auf der anderen Seite und war Teil der 16-köpfigen Jury.

Bildergalerie Landesqualifikation Ukraine 2018

Für die besten acht Debattantinnen und Debattanten – Kateryna Ageienko, Olha Fysyk, Sofia Khylia, Mariia Kirsanova, Dariia Kozak, Anna Mayevska, Daria Suslova und Yarema-Luka Yeleyko – geht es zunächst zu einem gemeinsamen polnisch-russisch-ukrainischen Siegertraining nach Berlin und dann weiter ins ukrainische Halbfinale und Finale am 17. und 18. Mai 2018 in Kiew. Yana Bits stand als Alumna Rede und Antwort, was die ukrainischen Halbfinalistinnen und Finalisten in den kommenden Wochen erwartet.

 

Jdi: Liebe Yana, vor einem Jahr warst du genau da, wo heute die 16 besten Debattantinnen und Debattanten standen – bei der Landesqualifikation in Kiew. Heute warst du als Jurorin dabei. Was macht dir mehr Spaß: teilnehmen oder jurieren?

Yana Bits: Wie bei einer guten Debatte gilt auch hier: Das Eine ist nicht grundsätzlich besser als das Andere. Das Debattieren war immer mit mehr Stress und Aufregung verbunden, jedoch hat man als Jurorin viel Verantwortung und muss wichtige Entscheidungen treffen, die über die Zukunft von Schülern entscheiden. Der ausführliche Kriterienkatalog von Jdi für die Jury hat diese schweren Entscheidungen erleichtert, wenn auch nicht völlig objektiv gemacht. Denn dort, wo Menschen sind, gibt es keine Objektivität.

Jdi: Ein Thema der diesjährigen Qualifikationsdebatten war: „Sollen in der Ukraine Lehrkräfte von ihren Schülerinnen und Schülern öffentlich und anonym bewertet werden“. Keine leichte Frage. Wie würdest du als Profi dich auf so ein Thema vorbereiten?

Yana Bits: Mir war es immer wichtig, mehrere Quellen in meine Vorbereitung einzubeziehen. Zum Beispiel habe ich bei dem Thema Rentenalter meine Großeltern befragt, weil sie der Teil der Gesellschaft sind, die dieses Thema betrifft. Bei dem Thema Ernährung habe ich mit Lebensmittelforschern gesprochen, bin in Unternehmen gegangen und habe mich vor Ort über deren Forschung informiert. Außerdem habe ich mir immer die Meinung von Juristen eingeholt, um auch rechtliche Aspekte einzubeziehen. Nur mit vielschichtigen Quellen können Konsequenzen für die Gesellschaft gezogen werden. Warum also nicht bei dem Thema Bewertung von Lehrern eine Umfrage bei Schülern und Lehrkräften in der Schule machen? Das erzielt keine objektiven Ergebnisse, aber eröffnet neue Argumente. Und Argumente schaffen immer Raum für Entwicklungen.

Jdi: Jugend debattiert international möchte die Debatte als Medium demokratischer Auseinandersetzung fördern. Welche Entwicklungen konntest du durch das Projekt an dir und an deiner Umgebung feststellen?

Yana Bits: Jugend debattiert international hat mir ganz viel gegeben. Ich habe kein Geld, keine Reise oder ein Stipendium bekommen, aber dafür viele Erfahrungen gesammelt, Freunde in der ganzen Welt gefunden, viel über die Ukraine gelernt und meinen Horizont erweitert. Außerdem weiß ich nun, worin der Schlüssel guter Kommunikation liegt – im Zuhören. Es gibt ein ukrainisches Sprichwort: siebenmal Nachdenken - einmal Sagen. Genau das habe ich bei Jdi gelernt.

Jdi: Die acht Gewinnerinnen und Gewinner haben sich an diesem Wochenende gegen eine starke Konkurrenz aus der ganzen Ukraine durchsetzen können. Was erwartet die Schülerinnen und Schüler in den nächsten Wochen?

Yana Bits: Als nächstes kommt das Training in Berlin mit Teilnehmern aus Polen und Russland. Das hat mir damals sehr geholfen den Sinn der Debatte besser zu verstehen, meine Körpersprache zu verbessern und einen kulturellen Austausch zu führen. Bis heute habe ich Kontakt zu anderen Teilnehmern. Nach dem Training ging es bei mir damals direkt zum Halbfinale und Finale nach Kiew. Das waren schlaflose Nächte, aber es hat sich gelohnt.

Jdi: Was möchtest du als Profi den Halbfinalistinnen und Finalisten für die nächsten Runden mit auf den Weg geben?

Yana Bits: Das Wichtigste ist, dass man vorab keine Präferenz hat, welche Position man vertreten möchte. Wir agieren, egal ob Pro oder Contra, wie Anwälte für ihre Mandanten. Diese sind manchmal schuldig und manchmal nicht. Ebenso ist die Meinung, die wir vertreten manchmal unsere eigene oder eben nicht. Wie ein Anwalt schützen wir jedoch für die Debatte diese Position und stellen dem Publikum frei, sich anhand guter Argumente für eine Position selber zu entscheiden.

Jdi: Erfolgreiche Politikerin, Deutschlehrerin oder rhetorisch unbesiegbare Redenschreiberin – wie sehen deine Pläne für die nächsten Jahre aus?

Yana Bits: Ich würde sagen das Erste trifft zu – Politikerin. Das ist mir klar, seitdem ich an Jugend debattiert international teilgenommen habe. Ich habe mich für ein DAAD-Stipendium in Deutschland beworben und möchte Politikwissenschaften studieren. Mal sehen, ob das klappt. Ich weiß auch noch nicht, ob ich später in Deutschland oder der Ukraine arbeiten möchte. Erst einmal steht der Eignungstest für die Unis im Sommer an und damit viel Mathe lernen. Es gibt noch einige Hindernisse auf dem Weg zu meinem Ziel, aber auch immer einen Weg, dieses zu erreichen.

Jdi: Als Jurorin bleibst du Jugend debattiert international im nächsten Jahr aber hoffentlich erstmal noch erhalten. Du hast das letzte Wort.

Yana Bits: Das Training in Berlin ist nicht nur eine Vorbereitung auf die Debatte, sondern auf das Leben. Es geht nicht darum zu gewinnen. Viele junge Menschen werden in den nächsten Runden nicht weiter kommen. Das sollte aber niemanden frustrieren, sondern motivieren weiterzumachen. Dafür bietet zum Beispiel das Alumni-Programm tolle Möglichkeiten.

Jdi: Danke für das Interview und ganz viel Erfolg auf deinem Weg.

 

Am 17. Mai debattieren die besten acht Debattantinnen und Debattanten aus der Ukraine um den Einzug in das ukrainische Landesfinale. Wir wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine tolle Vorbereitungszeit in Berlin und viel Erfolg.

 

Judith Müller, Kulturweit-Freiwillige am Goethe-Institut Ukraine